[KaKaKaKaDu] Weitere Einstellung im Brandstiftungsverfahren

Am 30. Juli letzten Jahres brannte in Sprötze (südl. von Hamburg) eine Mastanlage kurz bevor sie in “Produktion” gehen sollte, beinahe vollständig aus. Kurze Zeit später veröffentlichten die Tierbefreier e.V. ein Bekenner_innenschreiben, das mit dem Kürzel A.L.F. (Animal Liberation Front) unterschrieben war. Im Schreiben selbst wird ausführlich auf die Motivation des Brandanschlags eingegangen. Zudem werden u.a. die Regenwaldabholzung in Lateinamerika, die Vertreibung von Bäuerinnen und Bauern, der Anbau von gentechnisch veränderten Soja für das Tierfutter, der Klimawandel und die bestehenden Herrschaftsstrukturen, welche die Ausbeutung von Tieren und Menschen legitimieren, thematisiert.

Die Arbeiten der Feuerwehr dauerten mehrere Stunden, sodass ein Sachschaden von rund einer halben Million Euro entstand.

Die Kripo Buchholz (Buchholz i.d. Nordheide ist die nächstgrößere Stadt bei Sprötze) machte sich wenig später auf die Suche nach den „Täter_innen. Dabei wurden Spuren vom Tatort gesammelt und Anwohner_innen vernommen, die angeblich am Abend vor der Tat “junge Menschen, die ihrem Aussehen nach eindeutig der linken Szene zugeordnet werden können” beim Trampen auf der Bundesstraße in Ortsnähe Sprötze gesehen haben wollen. Im Zuge der Ermittlung kam es zu einer Hausdurchsuchung in Bonn und zur Entführung zweier Aktivisten von der Autobahnraststätte, um sie erkennungsdienstlich zu behandeln. In einem Fall konnten durch passiven Widerstand des Aktivisten keine Daten gesammelt werden, im anderen Fall aus demselben Grund erst beim zweiten Anlauf.

Nachdem bekannt wurde, dass das Verfahren gegen L. und später gegen Karl-P. und Karl-H. einstellen würde, hat die Staatsanwaltschaft aus Torstedt nun auch das Brandstiftungsverfahren gegen Karl-C eingestellt (§170 Abs. 2). Genau wie bei L., Karl-P und Karl-H. können die Ermittlungen dadurch jederzeit wieder aufgenommen werden, z.B. wenn neue Beweismittel vorliegen. Dies wird aber nach dem Erkenntnissen aus den vorliegenden Akten und Einschätzung der Anwält_innen als eher unwahrscheinlich eingestuft.

Selbstverständlich sind die Einstellungen ein Grund zur Freude über den missglückten Versuch der Repressionsorgane, Menschen an den Pranger zu stellen, die sich gegen ein System zur Wehr setzen, das die Ausbeutung von Tieren, der Umwelt und anderen Menschen propagiert.

Dennoch lassen sich die Ermittlungen als Angriff des Staates auf unsere Zusamenhänge bewerten. Sie bedeuten einen Einschnitt ins Leben und die politische Arbeit der Beschuldigten sowie ihres solidarischen Umfelds.

“Sicherlich sollten sich Menschen, die, in welcher Form auch immer, dieses System mit seinen Auswirkungen wie (Massen-)tierhaltung, Agrogentechnik und Regenwaldrodungen angreifen mit einen Gegenangriff von Seiten der Repressionsbehörden rechnen oder sich zumindest darauf vorbereiten. Dass Hausdurchsuchungen und ED-Behandlungen nicht zum Alltag vieler Aktivist_innen gehören, hängt auch damit zusammen, dass solche wirkungsvollen Aktionen wie in Sprötze zur Zeit leider eher ein Einzelfall darstellen. Dennoch halte ich auch einen sensiblen solidarischen Umgang mit der Angst vor staatlicher Gewalt und versuchter Kontrolle in einer Bewegung, die sich gegen Herrschaftsstrukturen und Unterdrückung stellt, für notwendig und ausbaufähig” meint Andrea, eine Unterstützerin der Soli-Kampagne KaKaKa-Du.

Zu Hoffen bleibt, dass sich die Maßnahmen, zu denen die Repressionsorgane gegriffen haben, um die Brandstifter_innen von Sprötze zu finden, nicht zu einer weitgehenden Lähmung und Angst einer politischen und sozialen Bewegung geführt haben.

(Eins haben der Brandanschlag und die darauffolgenden aufwendigen und kostspieligen Ermittlungen gezeigt: Dieses System hat viele Schwachstellen. Und diese ausfindig zu machen und sie mit verschiedensten Methoden anzugreifen ist nach wie vor möglich und sinnvoll.

Aktionen in diesem Kontext sind natürlich weiterhin erwünscht …

Mehr Infos unter: kakakadu.blogsport.de